Jan 17, 2026 » interview » U2602
text: V. A.
» photo: Nicolas Gysin
Die schnelle Songs euer im Januar erscheinendes Album prasseln mit unglaublicher Wucht auf die Hörer ein. Nimm uns mit hinter die Kulissen, wie das Album entstanden ist.
Nach dem Release unseres letzten Albums „...On Chains Of Doom” wollten wir in allen Belangen nochmals eine Schippe drauflegen. Wir wollten noch böser, noch schneller und noch aggressiver sein als zuvor. Wir haben uns sehr viel Zeit für das Songwriting genommen, um die Songs bis ins letzte Detail auszuarbeiten. Auch haben wir nach den Aufnahmen in den Iguana Studios bei Christoph Brandes mit jemand zusätzlichem am Mix & Master gearbeitet. Ronnie Björnström aus Schweden hat den Songs dadurch noch den allerletzten Schliff verpasst. Wir sind absolut zufrieden mit dem vorliegenden Album. Es war eine sehr anstrengende aber auch zugleich spannende Zeit in der Entwicklung des Albums. Und wir sind der Meinung das hört man dem Album auch an.
2025 erschien ein Song mit dem Titel The Art of Torture von euch. Was war die thematische Inspiration für diesen Song?
Die thematische Inspiration kam von der Neugier warum sich Menschen grausame Mittel und Wege ausgedacht haben, um anderen Leid zuzufügen. Es ist auf eine morbide Art und Weise faszinierend mit welchem Einfallsreichtum Menschen auffahren können nur um anderen zu schaden. Ich glaube man kann das sehr gut in die heutige Zeit umsetzen, wenn wir uns mal anschauen, was aktuell so in der Welt passiert.
Die Themen eurer Songtexte behandeln immer wichtige Fragen. Welche Themen stehen bei den Songs des aktuellen Albums im Vordergrund?
Die Ablehnung von allem, was jemanden oder etwas zu unterdrücken versucht. Religion ist eine der grössten Bedrohung in der heutigen Zeit. Mit Glauben wird und wurde so viel Schlechtes gut geredet oder verharmlost. Es ist einfach zu sagen „Mein Gott hat mir aufgetragen das zu tun” anstatt selbst nachzudenken und vernünftig zu handeln. In meinen Augen machen es sich religiöse Menschen dadurch sehr einfach über schlimme Dinge hinwegzusehen oder sie zu verteidigen „Es ist ja so von Gott gewollt”.
Auf dem Album finden sich aber auch Texte über innere Dämonen, mit denen viele Menschen tagtäglich zu kämpfen haben. Das Ungewisse und die Dunkelheit die tief im Inneren liegen können einen verheerenden Einfluss auf das Leben haben.
Das Album sowie der Titel eines Songs stimmen mit dem Titel einer Novelle von H. P. Lovecraft überein. Wurde das Cover darauf basierend gestaltet? Wer hat es erstellt?
Das Cover wurde von Bruno Gonzalez angefertigt, der auch schon für das Cover unserer «Raging Death» Single von 2023 verantwortlich war. Und ja, das Cover wurde basierend auf der Geschichte von Lovecraft erstellt. Die Geschichte hat etwas Mythisches und Bedrohliches. Ungewissheit, Dunkelheit und der Drang nach Klarheit prägen die Erzählung der Expedition aus der Geschichte. Wir fanden, dass das sehr gut in einem Cover umgesetzt werden könne, und sind der Meinung, dass es sehr gut getroffen wurde.
Wie sehr handelt der Titelsong Mountains of Madness von der Realität oder von der Fantasie?
Der Titel kann zweischneidig verstanden werden. Einerseits und zum grössten Teil ist es die Geschichte über die Novelle von H.P. Lovecraft. Auf der anderen Seite kann der Titel so verstanden werden, dass sich sehr viel Wahnsinn ansammelt, den man täglich erlebt und daraus unüberschaubare Berge entstehen. Man versucht immer wieder nach oben zu kommen, um den Überblick zu behalten, scheitert aber oft daran das einem Steine in den Weg gelegt werden. Die Menschheit strebt seit jeher nach Wissen und Klarheit. Oft verbirgt sich aber düsteres oder böses in der Dunkelheit und teilweise wäre es besser nicht alles zu erforschen oder zu entdecken. Die Möglichkeit den Text als eine Art Spiegel zur aktuellen Gesellschaft zu sehen, fand ich beim Schreiben des Textes sehr inspirierend.
Euer neuester Song mit Video, Beneath The Cross, kritisiert die christliche Religion hart. Man könnte so denken, dass jemand, der in die Kirche geht, automatisch ein guter Mensch ist, oder dass jemand, der ein Kreuz um den Hals trägt, keine negativen Seiten haben kann. Was denkst du darüber?
Oft sind es genau die Menschen, die sich nach aussen so gläubig verhalten, die aber abgrundtief verdorben und böse sind. Der Song handelt zwar explizit vom Christentum, aber der Wunsch oder die Aussicht auf ein Leben nach dem Tod ist in vielen verschiedenen Religionen zu finden. Jedoch immer mit der Forderung, zu Lebzeiten nach der Religion zu leben und zu handeln. Und wehe man macht das nicht, dann wird einem mit der ewigen Verdammnis gedroht. Religion ist und war schon immer darauf ausgelegt Menschen zu kontrollieren und gefügig zu halten. Es ist frustrierend, dass es heutzutage noch immer so viel Menschen gibt, die sich in Religionen flüchten, nur um eine Ausrede für das eigene Handeln zu haben.
Eurer Meinung nach welche ist schlimmer: die Einsamkeit oder eine falsche Gemeinschaft?
Das ist eine sehr spannende Frage, über die ich so noch nie nachgedacht habe. Ich denke, wenn man stark genug dafür ist, ist die Einsamkeit an sich weniger schlimm. In einer falschen Gemeinschaft besteht die Gefahr, dass durch äussere Einwirkungen (selbst)Zweifel entstehen und man sich und seine Entscheidungen plötzlich zu viel hinterfragt, oder man zu einer ungesunden Einstellung gelenkt wird.
Kehren wir auf die Dinge der Band zurück. 2025 einige Mitglieder haben die Band verlassen. Was hat dazu geführt?
Leider gibt es Situationen im Leben, die völlig unerwartet eintreffen und dafür sorgen, dass man das, was man liebt, nicht länger weiterführen kann. Auch führten gesundheitliche und private Ereignisse dazu, dass unser Bassist und unser Gitarrist sich entschieden haben nicht mehr länger ein Teil von Total Annihilation zu sein. Wir sind beiden sehr dankbar für die gemeinsame Zeit und was wir zusammen erleben durften. Wir wünschen ihnen nur das Beste für ihre Zukunft.
Was sind eure Pläne für das Jahr 2026? Festivals, Konzerte.
Neben der Suche und Einarbeitung neuer Musiker werden wir uns vor allem auf Liveaktivitäten konzentrieren. Wir möchten die Songs des neuen Albums präsentieren und möglichst viel Konzerte und Festivals spielen. Wir feiern im Jahr 2026 unser 20 jähriges Bestehen, da wird auch noch die ein oder andere spezielle Jubiläums Show stattfinden. Man darf gespannt sein!
Vielen Dank für das Interview und das Interesse an unserem neuen Album! Ich hoffe wir schaffen es bald nach Ungarn für ein paar Shows!
Die seit zwei Jahrzehnten in der Thrash/Death Metal Szene aktive Schweizer Band Total Annihilation veröffentlichte 2026 ihr neuestes Album Mountains of Madness. Zu diesem Album konnten wir dem Sänger Daniel Altwegg unsere Fragen stellen.



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