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THE HIRSCH EFFEKT – Im Schatten des Brauches

Jan 31, 2026   »   interview   »   U2602

text: V. A.   
»   photo: freakshot

Das aus Hannover stammende Trio macht eine solchende Musik, die man nicht nur hören, sondern erleben muss: zugleich rituell und extrem. Anlässlich ihres neuen Albums „Der Brauch” haben wir den Sänger und Gitarrist Nils Wittrock befragt. Euer neues Album Der Brauch erscheint Ende des Monats. (30 Januar) Wenn man in den Vorab-Release reinhört, fällt auf, wie vielseitig die Songs sind – innerhalb eines einzelnen Liedes schwankt die Stimmung zwischen melancholischer Ruhe und Wahnsinn. Das Gesamtbild wirkt dabei sehr eigenständig. Wo würdet ihr euch musikalisch selbst einordnen? Und wem würdet ihr eure Musik empfehlen? „Tja, da fangen die Probleme schon an. (lacht) Bei den vorherigen Alben hätte ich gesagt, dass es im Großen und Ganzen irgendwie noch Metal ist, aber das kann bei diesem Album eigentlich nicht behaupten. Man muss – um unsere Musik zu mögen, schön auch offen für härtere Musik sein, aber es ist kein typisches, durchgehendes Geballer. Vielleicht kann man unsere Musik Menschen empfehlen, die ein offenes Ohr für Prog-Rock haben. Wenn man überhaupt dazu raten sollte, Musik zu hören.“ Wann habt ihr mit der Arbeit an dem neuen Album begonnen? Wie lief es und wie viel Zeit hat das Schreiben des Albums gedauert? Schreibt ihr ständig neue Songs? „Nein, bei uns läuft das eindeutig in Zyklen ab. Jetzt ist grad Albumpromo und Tourvorbereitungsphase und ich schreibe derzeit nicht an Songs. Vielleicht aber bald wieder. Die Schreibphase für „Der Brauc” dauerte ziemlich genau von September 2024 bis Februar 2025. Nur der letzte Track hat etwas gedauert, weil Frühjahr wieder eine Tour dazwischen kam.“ Zu der komplexen Musik kommen erneut kurze, knappe einwortigen Songtiteln. Ist dieser Kontrast bewusst gewählt? Woraus ergeben sich die Themen der Songs auf dem Album? Gibt es ein übergeordnetes Konzept? „Was die Songtitel deutlich von den Titeln der Songs vorheriger Album abgrenzt ist, dass es sich um deutsche Wörter handelt, deren Sinn sich für den Großteil unserer Hörenden sofort erschließt. Wir haben auf den sechs vorherigen Alben mit den Titeln der Songs gespielt. Viele Titel gaben ein Rätsel auf und man musste sich die Verbindung zu den Songs erarbeiten. Ich hatte Lust, es schlichter zu halten und fand es auch passend zu dem Konzept von „Der Brauch”. Wir arbeiten ja auch in unseren Promoshots zum Album visuell mit der Idee eines altertümlichen, wenn man möchte „deutschen” Brauches. Und da passten diese gängigen Begriffe mit dem jeweiligen Artikel davor einfach ganz gut. Man kann den Albumtitel so verstehen, dass es um den Brauch geht, den wir uns selber innerhalb unser unterdessen achtzehnjährigen Bandgeschichte geschaffen hat. Bräuche und Traditionen geben einem auf der einen Seite Halt und auf der anderen Seite können sie dazu führen, dass man Dinge wiederholt, weil man sie nicht anders kennt oder schon immer (oder wir im Falle der Band immerhin schon sehr lange) auf diese Art macht. Diese Frage habe ich mir zu Beginn des Schreibprozesses mit der Band gestellt. Warum mache ich das eigentlich noch?“ Das Cover-Artwork birgt eine interessante Symbolik. Das Kopfmotiv ist ein wiederkehrendes Element auf euren Covern. Wie eng ist dieses Motiv mit dem Album oder mit einem bestimmten Song verbunden? „Ja, das nehme ich auch so wahr. Das Artwork stammt von einem Künstler aus San Francisco namens Alejandro Chavetta. Wir machen ihm da keine Vorgaben. Er bekommt Zusammenfassungen der Songinhalte und entwickelt selber eine Idee. Ich kann dir also nur meine eigene Interpretation liefern. Für mich ist das Cover die perfekte Mischung aus dem Wesen, das auf unserem letzten Album Urian drauf war, und der Frau, die auf Holon: Anemnesis zu sehen war. Das finde ich sehr passend. Für mich klingt unsere neue Platte so, als wären wir zum Album Holon: Anemnesis zurückgekehrt und hätten geschaut, in welche musikalische Richtung wir damals noch hätten abbiegen können, bevor wir uns etwas in dieser Math-/Tech-Ecke verortet haben.“ Die Band wurde vor vielen Jahren gegründet, dennoch ist euer Name bis heute sehr ungewöhnlich. Ist das eher mit der Natur (Hirsch, als Tier) zu bringen, oder hat der Name etwas mit Rahel Hirsch zu tun? Warum ist eure Wahl gerade auf diesen Namen gefallen? „Wenn ich damals gewusst hätte, dass ich so viele Jahre später immer noch darauf angesprochen werde, hätte ich mir vielleicht was besseres überlegt. (lacht) Der Name war eine spontane Idee unseres damaligen Schlagzeugers. Das der Name einen auf eine falsche Fährte lockt (also wie du sagtest Hirsch, als Tier) und eigentlich ein medizinisches Phänomen ist, hat uns aber von Anfang gut gefallen.“ Wie sieht es dieses Jahr bei euch mit Konzerten und Tourneen aus? Ihr wart vor zwei Jahren bereits in Budapest – ist damit zu rechnen, dass ihr bald hierher zurückkehrt? „Oh, das wäre schön. Ich erinnere mich gerne an die Show in der Analog Music Hall. Das war im Vorprogramm von Caligula‘s Horse. Wir haben allerdings erstmal nur die ausgedehnte Deutschland Tour geplant und schauen man, wie das so läuft. Ich würde aber die Hoffnung nicht aufgeben, dass wir auch außerhalb Deutschlands mit der Platte nochmal zu hören sind!“




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