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THE OTHER – Vertraute Fremde

Mar 06, 2026   »   interview   »   U2603

text: V. A.   
»   photo: ItWaitsArt

Die deutsche Horror Punk-Rock Ikone The Other verbindet seit mehr als zwei Jahrzehnten die rohe Energie des Punk mit der düsteren Welt der klassischer Horrorfilme. Über ihr neues Album berichtete uns der Sänger Rod Usher. 2020 ist euer Album Haunted erschienen, dann kam im Herbst 2025 euer nächstes Album Alienated heraus. Was ist in diesem fünfjährigen Zeitraum bei euch passiert? „Das waren intensive Jahre – für uns als Band, aber auch ganz allgemein. Zwischen 2022 und 2025 hat sich außer mir die ganze Band verändert, auf Grund der Nachwirkungen der Corona-Zeit. Diese Distanz voneinander hat dafür entsorgt, dass wir uns auch gedanklich und musik voneinander entfernt haben. Um uns herum ist die Welt zudem spürbar dunkler, kälter und chaotischer geworden, und das ging an uns natürlich nicht vorbei. In der neuen Band-Besetzung haben wir uns Zeit genommen, Dinge zu hinterfragen: unsere Musik, unsere Ausrichtung, unsere eigenen Erwartungen. Alienated ist das Ergebnis dieses Prozesses - und es bezieht die aktuelle Weltsituation auch irgendwie mit ein.“ Worauf bezieht sich der Titel Alienated? „Auf dieses allgegenwärtige Gefühl der Entfremdung. Man lebt in einer Welt, die permanent vernetzt ist, und fühlt sich trotzdem isolierter denn je. Viele Menschen haben sich verändert, Ideale sind verloren gegangen, Empathie scheint oft Mangelware zu sein. Alienated beschreibt genau dieses Gefühl, ein Fremder im eigenen Umfeld zu sein – emotional, gesellschaftlich, manchmal sogar menschlich. Und fängt an darüber nachzudenken, ob es nicht erstrebenswert wäre, an einer Weltraum-Mission auf einen anderen Planeten teilzunehmen... Obwohl wir ja seit dem Film Alien wissen, wie das ausgehen kann.“ Die Songs auf dem Album sind sehr vielfältig. Titel wie I Give You the Creeps, A Ghost from the '80s oder auch Alienated wirken sehr hitverdächtig. Wie sind die bisherigen Rückmeldungen? „Wirklich extrem positiv. Besonders I Give You The Creeps und A Ghost from the '80s kommen live extrem gut an, aber überraschenderweise haben sich auch A Witch From Outer Space und Horror Movie Monster zu Live-Hits entwickelt. Die Leute reagieren sofort auf die Stücke und singen mit. Viele sagen uns, dass sich das Album gleichzeitig vertraut und wunderbar frisch anfühlt – das ist wahrscheinlich das größte Kompliment. Wenn Songs sofort mitsingbar sind, aber trotzdem Substanz haben, haben wir alles richtig gemacht ... was unsere Chart-Platzierung – Platz 6 in den offiziellen deutschen Albumcharts – ja irgendwie auch bestätigt. Wahnsinn, oder?“ Zu Alienated wurden drei Videoclips veröffentlicht, die jeweils eine ganz unterschiedliche Stimmung haben. War das eine bewusste Entscheidung? „Absolut. Das Album hat viele Facetten. Wir wollten diese Bandbreite auch visuell zeigen. Ein Clip ist düster-romantisch, einer nostalgisch und humorvoll und wieder einer wütend und gefährlich. Jeder Clip erzählt seine eigene kleine Horror-Geschichte und spiegelt einen anderen Aspekt des Albums wider. Alienated ist ein Album mit Abwechslung und das sollten die Videos auch nicht sein. Eigentlich wollten wir auch eins zu “In The End“ drehen, aber wir haben es zeitlich nicht geschafft. Da hätte ich mir gut einen schwarz-weiß Look, vielleicht sogar einen Scherenschnitt vorstellen können.“ Ein Song ist auf Deutsch auf dem Album, nämlich Hier sein. Weshalb ist das so? „Manche Emotionen lassen sich einfach ehrlicher in der eigenen Muttersprache ausdrücken. „Hier sein“ ist ein sehr persönlicher Song, fast schon intim. Deutsch hat in dem Fall eine Direktheit, die wir gebraucht haben. Wir haben schon einige deutsche Songs aufgenommen und eigentlich sind alle emotionaler und persönlicher, als die meisten englischen Songs, die oft auch ein bisschen campy sind.“ Ebenfalls im Herbst 2025 erschien der Film The Vincent Price Legacy, zu dem ihr den Song Vincent Price – Master of Menace beigesteuert habt. Was kann man darüber sagen? „Vincent Price ist eine der größten Ikonen des klassischen Horrors, und es ist eine enorme Ehre, Teil dieses Films zu sein. Der Song ist eine Hommage an seine Eleganz, seinen Humor und diese besondere Art von Schrecken, die er verkörpert hat. Wir haben den Song im Auftrag von Produzenten und Regisseur geschrieben, dass er jetzt im Film verwendet wird, fühlt sich fast surreal an – wie ein Ritterschlag für eine Horrorpunk-Band. Und das Beste: Wir haben den Track live bei der Premiere des Films im Kino gespielt. Vincents Tochter Victoria war vor Ort und liebe den Song. Sogar das Vincent Price Museum in England hat die Single bei uns angefordert. Die Singe enthält zwei Versionen des Songs und war auf 300 Stück limitiert.“ Wovon schöpft ihr Inspiration für eure Texte und Songs? Gibt es gemeinsame Lieblingsfilme oder Autoren? Habt ihr Horror-Reliquien? „Horror ist für uns mehr als nur ein Genre – es ist eine Art, die Welt zu betrachten. Wir lieben Klassiker wie The Thing, Halloween oder The Exorcist, genauso wie Autoren wie Edgar Allan Poe, H. P. Lovecraft oder Stephen King. Die Liebe zum Horror begann bei uns allen sehr früh. Und ja, Horror-Reliquien gibt es bei uns genug: ich sammle Figuren, Bücher - ich besitze sogar eins, das Stephen King mir signiert hat – Filme... und sogar Tattoos. (lacht) Für uns ist das eigentlich Konzept des Horrors wichtig: Unbequeme, verdrängte Themen in einer Art Subtext anzusprechen und so den Hörer oder Zuschauer damit zu konfrontieren. Viele unserer Songs sind oberflächlich Gruselgeschichten, aber sie besitzen eine zweite Leseweise, die oft gesellschaftlich oder politisch ist. Immer mehr schreiben wir aber auch über persönliche Emotionen auf Grund Weltsituation.“ Ihr legt großen Wert auf Bühnenoutfits und Gesichtsbemalung. Wie viel Zeit und Vorbereitung steckt dahinter? „Mehr, als man denkt – aber es gehört einfach dazu. Die Vorbereitung beginnt oft schon Stunden vor der Show. Das Make-up ist nicht nur Optik, sondern ein Übergang: Man schlüpft in eine andere Rolle, lässt den Alltag hinter sich. Sobald die Schminke sitzt, ist man nicht mehr privat, sondern Teil der Show. Das Schminken dauert rund eine Stunde pro Bandmitglied. Und jeder Charater ist ausgefeilt, mit einer eigenen Background-Story.“ Was sind eure Pläne für 2026 in Bezug auf Konzerte und Festivals? Steht auch Ungarn auf der Liste? „2026 wird definitiv ein Live-Jahr. Wir planen weitere Touren, Festivalauftritte und besondere Shows rund um Alienated. In Ungarn zu spielen wäre wunderbar, ich selbst war drei Mal in Ungarn und habe es besonders in Budapest geliebt. Und wir wissen, dass es dort ein leidenschaftliches Publikum für Rock und Metal gibt. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, kommen wir sehr gern vorbei. Ich könnte auch etwas über Politik sagen – spare es mir aber an dieser Stelle, damit wir wirklich mal bei euch spielen können.“

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